Die Gründung der Karnevalsgesellschaft Rot-Schwarz „Jecke Märjelingener“ am 8. März 1989 in der Gaststätte Altenrath in Marialinden war im Grunde ein Gebot der Stunde. In Kirschbaum hatte mit Karnevalsumzügen begonnen, was von derInteressengemeinschaft Karnevalszug in Marialinden e.V. seit 1978 offiziell weitergeführt wurde. Die Karnevalszüge am Karnevalssamstag machten im ganzen Umland Schlagzeilen. Prinzen und Prinzenpaare setzten diesen Karnevalszügen noch ein Glanzlicht auf: Paul & Jutta Tillmann, Winfried & Doris Kreuzer, Josef & Änni Wasser, Hans-Peter & Anita Gippert, Werner & Lucie Tillmann, Heinz & Gisela Schüller, Manfred & Anita Klein, Sepp & Ruth Altenrath, Hermann Zinzius & Silvia Link, Dieter & Kläre Oberüber, dann 1989 wie 1983 kein Prinz, kein Prinzenpaar. Aber von all dem lassen, das war wie vorher schon kein Thema.

Der Kirchenchor Cäcilia Marialinden (vor und nach dem 2. Weltkrieg), der Quartettverein Sangesfreunde und Gastwirt Helmut Altenrath in Eigenregie feierten Karneval mit entsprechenden Sitzungen. Auch war schon mal der eine oder andere als Prinz ausgerufen worden und damals schon stand die Frage im Raum, musikalisch umgesetzt in einem bekannten Schlager: „Wer soll das bezahlen, wer hat soviel Geld?“ 1989 kam das Thema erst recht hoch und die Gründung einer Karnevalsgesellschaft zur Stützung auch der närrischen Hoheiten war nur eine Frage der Zeit. Nach Vorbesprechungen im kleineren Kreis kam es am 8. März 1989 zur offiziellen Gründungsversammlung. Anwesend waren Helmut Altenrath, Dieter Oberüber, Paul Miebach, Heinz Vogel, Heinz Josef Hoffmann, Norbert Bücheler, Gerd Gondolf, Heinz Kramer, Hans Peter Blatt, Ilse Kress-Kramer, Horst Suchowski, Anton Josef Eschbach, Josef Clever, Sepp Altenrath, Hermann Zinzius, Werner Pütz und Heinz Eschbach. Alle Anwesenden erklärten durch Unterschrift ihren Beitritt zur neuen Karnevalsgesellschaft.

Die Versammlung bestimmte als Versammlungsleiter Werner Pütz, zugleich Protokollführer. Eine Satzung wurde verabschiedet und der neuen Karnevalsgesellschaft der Name KG „Jecke Märjelingener“ gegeben. „Zweck des Vereins ist die Pflege des Karnevalsbrauchtums“. Aus dem Kreis der Mitglieder wurden für den Vorstand vorgeschlagen: Norbert Bücheler als 1. Vorsitzender, Hermann Zinzius als stellvertretender Vorsitzender, Sepp Altenrath als Schatzmeister, Josef Clever als Literat, Werner Pütz als Schriftführer, Ilse Kress-Kramer und Anton Josef Eschbachals Beisitzer.
Außerdem wurde ein Senat gebildet: Heinz Josef Hoffmann, Heinz Kramer, Anton Josef Eschbach, Helmut Altenrath, Horst Suchowski, Hans Peter Gippert, Klaus Rackowiak und Fritz Selbach.

Von da ab lief das Narrenschiff KG Rot-Schwarz „Jecke Märjelingener“ e.V. von 1989 in voller Fahrt.
Die KG übernahm die Vorbereitung und Durchführung der verschiedenen Karnevalssitzungen und beteiligte sich am jährlichen Karnevalszug mit eigenen Wagen. Das Gründungsjahr erhielt einen Anschub dann auch dadurch, dass mit Theo Albert & Traudl Wolf für die sich anschließende Session ein neues Prinzenpaar gewonnen werden konnte. Das erste offizielle Prinzenpaar der KG wurden dann Norbert & Anne Bücheler, deren Session durch den Golfkrieg 1991 jäh unterbrochen wurde. Die öffentliche Vorstellung am Sonntag, 11.11., 11.11 Uhr, wird zu einem begeisternden Auftakt. Das noch amtierende Prinzenpaar Theo Albert und Traudl Wolf und Gefolge sind ebenfalls anwesend und tragen mit dazu bei, dass dieser Vorstellungstermin so gelungen ausfällt. Musikalisch begleitet das Spaßorchester das närrische Geschehen. Kaum sind die Weihnachtstage vorbei, geht es voll in den in diesem Jahr sehr kurzen Karneval. Prinzenproklamation am 5.1.: Es wird ein großes Fest, ein in Begeisterung schwingender Saal, ein glänzend aufgelegtes Programm von Literat Josef Clever. Im ersten Teil stellt die KG den Elferrat. Hans Peter Blatt ist Sitzungspräsident und Sepp Altenrath verabschiedet mit herzlichen Worten das Prinzenpaar Theo und Traudl Prinz Norbert I. und Prinzessin Anne bringen dann ihren eigenen Hofstaat mit. Prinzenführer Gerd Gondolf präsentiert die neuen Majestäten mit launigen Worten. War „Märjelingen Spitze“ in der letzten Session, so jetzt: „Loss m'r laachen un vill singen, jecke Tön us Märjelingen!“
Der Auftakt ist bestens, aber dann der große Knall: Krieg am Golf. Landesweit werden Karnevalsveranstaltungen abgesagt. Teilweise gibt es regelrechte Gegenreaktionen, teilweise machen die Narren am Rhein und im Bergischen mit gedämpftem Programm weiter. Der Vorstand der KG entscheidet sich dafür, dass die Seniorensitzung durchgeführt wird und auch die Prunksitzung am Karnevalssonntag. Die Seniorensitzung mit Präsident Heinz Vogel wird trotz der angespannten Weltlage ein Volltreffer. Ein Damenelferrat unterstützt den Präsidenten. Viele Frauen helfen bei der Bewirtung der Senioren. Reichlich Kuchen ist gespendet worden. Ausfallen muss allerdings die Kindersitzung, weil die auftretenden Kräfte absagen. Abgesagt wird auch der Marialindener Karnevalszug. Statt dessen gibt es an dem Samstag eine Karnevalsfete im Saal Altenrath, die ganz groß angekommen ist.
Mit komplettem Programm kann auch die Prunksitzung ablaufen. Die KG stellt den Elferrat. Präsidenten sind Hans Peter Blatt und Heinz Vogel. Die Sitzung ist hervorragend. Die närrische Woge schlägt voll aus.
In den nächsten Tagen wird in bekannter Manier dann in den Gaststätten gefeiert, aber einen unübersehbaren Dämpfer hat dieser Karneval doch erhalten. Die Frage stellt sich sofort, wie es in der nächsten Session gehen soll. Residiert weiter das neu proklamierte Prinzenpaar, wird es zwei Prinzenpaare geben. Heinz und Ilse Kramer haben Bereitschaft signalisiert. Es kommt zu etlichen Vorstands- bzw. Senatsbesprechungen. Die Meinung ist deutlich geteilt. Es gibt Pro und Kontra, letztlich wird die Entscheidung dem Prinzenpaar Norbert und Anne sowie Gefolge überlassen. Sie entscheiden sich dafür, dass sie weitermachen wollen, weil eine Reihe von Veranstaltungen und vor allem der Karnevalszug ausgefallen sind.
Da auch die Kindersitzung ausgefallen war, will die KG am 6. Juli im Bereich hinter der Schule ein Kinderfest veranstalten. Am Pavillon soll für alle Wetter-Fälle ein kleines Zelt aufgestellt werden. Es wird Essen und Trinken geben, für die Kinder außerdem Lotterie, Ponyreiten, Pimpelbahn, Eisenbahn u.a..
Die „Tanzströpp“, jetzt unter dem Dach der KG, sollen im Laufe dieses Jahres zum Besuch einer interessanten Veranstaltung eingeladen werden, als Anerkennung und Ansporn zugleich. Im Vorstand wird als neues Ziel ausgegeben, junge Mitglieder an die Vereinstätigkeit heranzuführen.

Die Erfolge der KG verbinden sich in der Folge mit den jeweiligen Prinzenpaaren: 1993 Hinze I. (Kramer) und Ilse (Kress-Kramer), 1994 Peter I. und Monika (Miebach), 1995 Martin I. und Petra (Collas), 1996 Friedel I. und Margret (Henn), 1997 Gerd I. und Ursula (Gondolf), 1998 Paul II. und Sigrid (Miebach), 1999 Helmut I. und Paula (Wippermann), 2000 Uli I. und Renate (Miebach), 2001 Günter I. und Angi (Kruse), 2002 Stefan I. und Simone (Hollinder), 2003 Eduard I. und Monika (Wolf), 2004 Hans-Peter I. und Marita (Stellberg), 2005 Frank I. und Karin (Hruby), 2006 Thomas I. und Ursula (Essert), 2007 Helmut II. und Doris (Clever) und 2008 Deddie I. und Annette (Corsten).
Alle Hoheiten erweisen sich als Volltreffer, jeweils verschieden, mit immer neuen Ideen, aber alle begeistert aufgenommen vom Publikum. Nicht nur Jubel in den Sälen, bei privaten Veranstaltungen, Begeisterung auch immer wieder im Marialindener Altenheim. Höhepunkte sind Jahr für Jahr die festliche Inthronisation der Prinzenpaare, die Nachmittagssitzung, die Kindersitzung, der Karnevalsumzug, die Prunksitzung und schließlich die festliche Verabschiedung des Prinzenpaares und Abschluss der Session. Nicht zu vergessen sind die von Manfred Klein organisierten Wandertage der KG. Dass sich die jeweiligen Prinzenpaare und mit ihnen die KG in den verschiedensten Veranstaltungen auch im Umland zeigt, bei der Schlüsselübergabe in Overath dabei ist, bei Besuchen im Bonner Bundeshaus sich in Szene setzte sowie beim jährlichen Prinzentreffen im Kreisgebiet, versteht sich von selbst. Dass die Delegation der KG „Jecke Märjelingener“ dabei immer mit musikalischer Begleitung aufwarten konnte, das hat allüberall für Furore gesorgt.

Mit inzwischen über 360 Mitgliedern gehört die KG „Jecke Märjelingener“ zu den größten Karnevalsvereinen im ganzen Bergischen Land. Was einst am Biertisch ausgelobt wurde, das hat sich inzwischen zu einer unumkehrbaren Tradition verfestigt. 11 Jahre Bestehen, das war nach närrischem Brauch ein Grund zum Feiern. Der Zweck des Vereins, mit Narretei anderen eine Freude zu machen, bleibt aktuell. Das Leben ist ernst genug.

„Märjelingen alaaf!“

Text übernommen aus "So jung wie eh und je - KG „Jecke Märjelingener“ feierte 11-jähriges Bestehen" von Werner Pütz (1990)

Überarbeitung: Tina Schmidt (Mai 2008)